Dienstag, 13. September 2016

Rezension: Dschihad Online von Morton Rhue


ISBN: 978-3-473-40118-5
256 Seiten
14,99 EUR



Der Inhalt:


Der aus einer Flüchtlingsfamilie stammende Jugendliche Khalil führt ein ganz normales, amerikanisches Leben. Er selbst wurde in Amerika geboren und ist amerikanischer Staatsbürger. Obwohl alles zunächst in Ordnung scheint, brökelt nach und nach Khalils heile Welt ausseinander und führt die Schwächen unserer Gesellschaft auf. Durch die extremistischen Handlungen seines älteren Bruder, taucht Khalil in die Welt der "Dschihad online" Kämpfer ein. Ein erschreckender Roman, durch den man am Ende nicht mehr weiß, was richtig und was falsch ist.



Das Cover:


Das düstere Cover mit den aggressiven Farben passt gut zum Thema. Mir gefällt ganz gut, dass die Person auf dem Cover eher westlich aussieht und sich nicht unbedingt den Klischees eines muslimischen Extremisten bedient.


Der Stil & die Geschichte:


Das Buch ist in einer jugendlichen Sprache gehalten, geschrieben aus Khalils Perspektive. Am Anfang sind düstere Elemente vorhanden, die mit der Zeit sich verdichten. Khalils moralischer Druck und auch sein Weg in den Extremismus ist nachvollziehbar, es werden verschiedene Ansätze beschrieben, die eingängig sind. Vor allem die Vielfalt an Ansatzpunkten konnten mich von dem Buch überzeugen. Selbstverständlich sind diese keine Begründung für Extremismus, jedoch sind es gute Kritikpunkte unserer Gesellschaft. Bei jeder Handlung und Wirkung gibt es zwei Seiten der Medaille, vor allem ich als Leser vertrete dabei die westliche Seite durch meine Gedanken. Ich möchte hierzu ein Beispiel nennen: Ich bin dafür, dass kriminelle Flüchtlinge abgeschoben werden. Dies ist mein westlicher Standpunkt. Aber was bedeutet das für die Familie? Ist z.B. Diebstahl ein gutes Argument, um Familien zu zerstören? Leiden diese Jugendlichen nicht unter Perspektivlosigkeit, weil sie eventuell große Entbehrungen durchleiden müssen in einer Welt, in der alles möglich ist, sie aber nur nicht da ran kommen? Sind sie nicht eigentlich ein Produkt unserer Gesellschaft und sollten wir nicht dafür Sorge tragen? Wie ihr seht, hat mich dieses Thema sehr beschäftigt, aber auch die anderen Facetten sind einer Überlegung wert. Im Laufe der Geschichte sammelt sich einiges an, teilweise hätte ich es gerne noch etwas eingehender gelesen, da die Andeutungen in mehrere Richtungen interpretiert werden können und ich gerne die Meinung des Autors erlesen hätte. Das Ende der Geschichte ist rasant und im Vergleich zu dem Rest des Buches etwas oberflächlich. Mir hätte mehr Input am Ende gut gefallen.

Das Ende bedient sich dann doch noch einem Klischee, nämlich dass Jugendliche nicht kritisch genug sind. Dass man sich hätte den nationalen Nachrichten widmen sollen. Bei diesem Punkt widerspreche ich, denn auch die amerikanische oder deutsche Presse hat ihre Interessen. Jugendliche sind ganz besonders Manipulationen ausgesetzt, doch ich glaube nicht an eine interessenlose Presse, sodass der Ansatzpunkt nicht ganz so richtig auf mich wirkt.

Die Protagonisten:


Khalil ist ein kluges Köpfchen, das nicht so viel Lust auf Schule hat. Gleich am Anfang wird klar, dass Khalils Lebenssituation perspektivlos ist und er sich seinem älteren Bruder beugt. Der moralische Zwiespalt der hinter Khalils Situation steht lässt den Leser gut zu halil durchdringen. Obwohl vieles im Argen liegt, merkt man, dass Khalil eigentlich kein schlechter Junge ist und eigentlich das Herz am rechten Fleck hat, umso dramatischer ist es für den Leser, mitverfolgen zu müssen, wie Khalil abrutscht. Die Motivation endlich jemand zu sein und eine Macht über Menschen zu haben, ist zwar abschreckend, macht ihn jedoch menschlich.

Amir hingegen ist ein ganz anderes Kaliber, er hat eine grundsätzliche Wut auf den Westen und er hat auch bereits einiges mitbekommen. Auch Amir wurde unfair behandelt, sogar schlimmer noch als Khalil. Amir ist eigentlich ein Opfer der Gesellschaft, kehrt sich jedoch sehr zügig um in einen Rachetäter.

Wen ich total schnuckelig fand, war Khalils bester Freund, Vitaly, er glaubt an die westliche Welt und ist vollkommen integriert. Er versucht Khalil wieder auf die reche Bahn zu bringen und ist ein echter Freund. Doch als auch ihm und seiner Familie ein schreckliches, ungerechtes Schicksal ereilt, platzt Khalil der Kragen. Vitalys Schicksal ist für Khalil der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt, daher ist italy ein wichtiger Punkt in der Geschichte. Auch was die Umkehr der Hoffnung angeht. Man könnte es so darstellen: Vitaly war immer der Hoffnungsvolle und Khalil der Perspektivlose. Als die Hoffnung verloren hat. Naja, was bleibt da noch?



Fazit:


Ein bewegender Jugendroman, der nicht nur vor der Gefahr des Extremismus warnt, sondern auch Kritik an unsere Gesellschaft ausübt. Dieser Roman sagt uns, dass Extremismus ein Produkt unserer Gesellschaft ist.


Von mir gibt es für diesen spannenden Roman vier von fünf Monsterpunkte, da mir das Buch an mancher Stelle nicht ausgereift genug war und das Ende für mich auch etwas tiefgehender hätte sein können






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