Dienstag, 20. September 2016

Blogtour zu "Dschihad Online" Tag 4: Historische Hintergründe




Hallo meine lieben Leser! Herzlich Willkommen zum vierten Tag der Blogtour zu dem brisantem Jugendroman "Dschihad Online" von Morton Rhue!


Bevor wir loslegen, sind hier noch mal ein paar Eckdaten zu dem Buch: 


ISBN: 978-3-473-40118-5
256 Seiten
14,99 EUR

Klappentext: 
Er hat gute Noten, er geht auf Partys, er flirtet mit dem hübschesten Mädchen der Schule – auf den ersten Blick wirkt Khalils Leben wie das seiner amerikanischen Mitschüler. Doch der Schein trügt: Khalil und sein älterer Bruder Amir leben in einem heruntergekommenen Loch und halten sich nur notdürftig über Wasser. Amir sieht sich im Internet immer häufiger gewalttätige Videos von islamistischen Hasspredigern an. Außerdem twittert er über den Kampf gegen den heuchlerischen Westen. Schon bald gerät auch Khalil in die Fänge der Islamisten …

Morton Rhue hat im übrigen auch den berühmten Roman "Die Welle" geschrieben !




So und nun zu meinem heutigen Thema. Bei mir geht's um die historischen Hintergründe des Romans. Die Eltern des Protagonisten, Khalil, stammen aus Srebrenica. Sie sind damals geflüchtet vor einem Genozid, der gegen muslimische Männer verübt wurde. So viel findet man auch im Roman schon heraus, damit wir aber voll im Bilde sind, was diese Familien durchleiden mussten, finde ich es spannend, sich auch diesen Hintergrund anzusehen.  

Für mich ist dieses Thema wichtig aufzuarbeiten. ich habe in meinem ganzen Leben noch nie von "Srebrenica" gehört, ich kannte mich bisher auch nicht aus mit dem Bosnienkrieg, da er in der Schule nicht behandelt wurde und ich zu dem Zeitpunkt (1995) 6 Jahre alt war, also gerade eingeschult wurde und die Nachrichten noch nicht so im Blick hatte ;-) . Vielleicht geht es ja dem ein oder anderen genauso wie mir. 

Alle Informationen, die ich nenne, beziehen sich auf meine Internetrecherche. Ich werde die Quellen unten gesondert noch mal angeben. Also, dann wollen wir mal loslegen.


Das Massaker von Srebrenica


Alles begann 1990 damit, dass Jugoslawien auseinander fiel, Bosnien-Herzegowina, Slowenien, Kroatien und Mazedonien wurden unabhängig, von der ursprünglichen "Sozialistischen Förderativen Republik Jugoslawien" blieben einzig Serbien und Montenegro übrig. Daraufhin begann ein ziemliches Durcheinander an Angriffen und Demonstrationen. Einerseits haben sich Menschen aufgelehnt gegen die Unabhängigkeit oben genannter Staaten, andererseits wurden Kämpfe zwischen den einzelnen Staaten untereinander ausgeübt, der Krieg stand vor der Tür und trat laut donnernd ein.

Bosnien Herzegowina war ein multiethnischer Staat, das heißt, es gab kulturelle und religiöse Unterschiede innerhalb der Bevölkerung im eigenen Land. Es lebten etwa 40% Moslems (Bosniaken), 30% bosnische Serben und 20% bosnische Kroaten in Bosnien Herzegowina. Diese ethnischen Gruppen lehnten sich gegeneinander auf. Man muss auch sagen, dass es bei so einer Verteilung schwierig ist für einen Staat, alle zufrieden unter einen Hut zu bekommen. Wo soll die Reise hin? Wo hätte der gemeinsame Nenner sein können?

Der Aggressor waren die bosnisch serbischen Nationalisten, sie lehnten sich auf, sodass vielen Muslimen nichts übrig blieb, als zu flüchten. Ein beliebter Zufluchtsort war hierbei Srebrenica. Die UN beschloss, Srebrenica zur Sicherheitszone zu erklären. Obgleich die UN nicht gerüstet war, wurden ein paar niederländische UN Soldaten rekrutiert. Um Srebrenica herum verdichtete sich der Anteil, der mit bosnischen Serben besetzt wurde, was einer Umzingelung Srebrenicas gleichkam.

Als es im Juli 1995 zum Angriff der bosnischen Serben kam, glich eine Gegenwehr der UN Soldaten einem Himmelfahrtskommando. Ohne Gegenwehr gaben sie die Stützpunkte frei.

Einige Bosniaken versuchten zu fliehen in nahe gelegene muslimische Dörfer und Städte. Die bosnischen Serben begannen jedoch nachzurücken und in diesem Vorfeld Männer und Frauen zu separieren. Die Männer wurden an verschiedene Orte gebracht und dort hingerichtet und in Massengräber verscharrt. Es wurden bisher 21 Massengräber gefunden. Diese Gräber wurden dann wieder aufgehoben und anderweitig verteilt, um den Genozid zu vertuschen. Innerhalb weniger Tage wurden über 8000 Männer ermordet.


Ich hoffe, ihr seid nun nicht eingeschlafen. Ich fand es eigentlich ganz spannend. Es gibt bis heute einige Politiker, die das Geschehene abtun. Gerade kürzlich hat eine serbische Zeitung deklariert, dass das Massaker von Srebrenica nicht stattgefunden hat. Die Bezeichnung "Genozid" war lange Zeit auch ein Streitgegenstand, gegen den sich einige gewehrt haben. Wie schlimm muss das denn sein für all die Familien der Opfer, wenn das Schicksal von geliebten Menschen einfach so abgetan wird?

Und für alle, die zu faul waren, diesen Bericht zu lesen, hier habe ich noch mal eine kleine Zusammenfassung und ein paar interessante Punkte parat:




Good to know: Der Genozid von Srebrenica
  • 1995 in Srebrenica, Bosnien- Herzegowina
  • Über 8000 muslimische Männer (Bosniaken) ab 13 Jahren wurden gezielt getötet
  • Später versuchte man die Massengräber umzusetzen, um den Genozid zu vertuschen
  • Die niederländischen UN Soldaten waren vor Ort, die UN hat jedoch tatenlos zugesehen, sie wurde im Nachhinein völkerrechtlich verklagt, wegen Beihilfe zum Kriegsverbrechen
  • Die Klage wurde niedergeschmettert, da der UN Immunität in einigen Ländern zugesprochen wurde. Die UN konnte nicht einschreiten mangels UN Mandat.
  • Das Massaker von Srebrenica gilt als größtes Verbrechen gegen die Menschheit in Europa seit dem zweiten Weltkrieg
Bildquelle: www.deutschlandfunk.de


Quellen: https://de.wikipedia.org/wiki/Massaker_von_Srebrenica
http://www.bpb.de/politik/hintergrund-aktuell/209414/das-massaker-von-srebrenica





Ich hoffe, euch hat mein Bericht über die historischen Hintergründe des Buches gefallen! 

Morgen macht die Blogtour halt bei Manja von Manjas Buchregal, sie schildert uns die Situation heute. Ich kann euch versprechen, es wird sehr interessant!


Hier ist auch noch mal der Blogtourfahrplan:

17.09.2016  Tag 1:

Sei kritisch! bei Bianca von bibilotta.de



18.09.2016 Tag 2: 

Dschihad online bei Michelle von mimos-welt.de



19.09.2016 Tag 3:

Wenn Social Media nicht nur als Informationsquelle dient bei Vanessa von Buchtempel.de



20.09.2016 Tag 4: 

Historische Hintergründe bei mir hier =)


21.09.2016 Tag 5:

Situation heute bei Manja von www.manjasbuchregal.de

23.09.2016 Auslosung Gewinnspiel

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Und das Beste kommt zum Schluss!

Es gibt noch ein Gewinnspiel. Zu gewinnen gibt es 5 x ein Exemplar von Morton Rhues Dschihad Online in Print !


Was ihr dafür tun müsst? Beantwortet mir hier in den Kommentaren  bis zum 22.09.2016 bitte folgende Frage: Wie habt ihr den Bosnienkrieg damals wahrgenommen? Und für alle Jüngeren, die von diesem nicht viel mitbekommen haben alternativ: Wie nehmt ihr aktuell die Flüchtlingswelle wahr?


Wenn ihr mitmachen möchtet, müsst ihr euch mit den Teilnahmebedingungen einverstanden sein !


Ich wünsche euch allen viel Glück und noch viel Spaß bei der Blogtour, euer Buchmonster Giulia





Kommentare:

  1. Hallo,

    an dem Thema Bosnienkrieg kam man damals in den Medien nicht vorbei. Präsenter sind für mich die Ereignisse in Kroatien. Ich war mit einem Mädchen aus Zagreb befreundet und habe mit Erschrecken die Einschusslöcher überall in der Stadt gesehen und bei einem Besuch in Dubrovnik die Sandsäcke vor den Kirchen, die Häuserfassaden, die ohne Häuser dahinter standen und die Panzersprengen der Truppen, zerbombte Häuser etc. haben sich tief in meine Erinnerungen eingegraben.
    Ich weiß auch noch, dass ich es damals sehr kompliziert fand, aber die Ursprünge für den Konflikt um das damalige Jugoslawien einfach schon Jahrhunderte vorher gelegt wurden.
    Danke für deinen ausführlichen und interessanten Beitrag.


    lg, Jutta

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  2. Hallo und guten Tag,

    habe in dieser Zeit damals im Sommer 1990 meinen Urlaub mit Freund verbracht...wir hatten Glück, denn unsere Gastfamilie hatte uns eine Überfahrt nach Italien besorgt

    Überall Soldaten plötzlich....Straßensperren usw.

    und was auch interessant war plötzlich hatte jeder so ein unheimliches Heimatgefühl ....jeder wollte ein eigener Staat sein, was dann ja auch passiert ist.

    Mit der Familie hatten wir noch viele Jahre Kontakt.

    LG..Karin...

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  3. Hallo und herzlichen Dank für Deinen Beitrag!

    Damals - 1995 - war ich 30 Jahre alt und natürlich hat man in dem Alter vom Bosnienkrieg etwas mitbekommen. Er war ja permanent Thema in den Nachrichten. Aber mit 30 macht man sich noch nicht viele Gedanken über solche Themen und außerdem war Jugoslavien weit weg. Heute würde ich dieses Thema anders aufnehmen als damals.

    Die Flüchtlingskrise nehme ich sehr deutlich wahr. Ich habe 2 Syrer in meinem Haus wohnen und wer sich mit diesen Menschen beschäftigt und nicht nur hört/liest, was man in den Sozialen Netzwerken findet, der bekommt einen total anderen Bezug zu diesem Krieg in Syrien, diesem Land und seinen Menschen. Angst habe ich keine - vor wem oder was? Diese Menschen sind froh, dass sie Hilfe und Unterstützung bekommen und sie gehören - nach nunmehr 8 Monaten - zur Familie. Wir dürfen nicht vergessen, dass die Mehrzahl der Menschen vor dem Krieg flüchtet und nicht nach Deutschland kommt um uns ein Leid an zu tun. Für mich ist es eine humanitäte Katastrophe, dass man diese Menschen nun an den Grenzen der Türkei und Griechenland "verhungern" lässt.

    LG Babsi

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  4. Hallo,
    Danke für deinen interessanten Beitrag. Über den Bosnienkrieg habe ich zwar über die Nachrichten einiges mitbekommen, aber damals war ich noch sehr klein. Ich habe diesen Krieg als sehr brutal wahrgenommen.

    Liebe Grüße
    Curin

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  5. Hey :)
    Danke für deinen interessanten Beitrag.
    Über den Bosnienkrieg habe ich nichts mitbekommen, bin aber auch erst im 21 . Jahrhundert geboren wurde.
    Wie ich die Flüchtlingselbe wahrnehme?
    Naja, irgendwann wird man ja damit konfrontiert. Einen Problem damit habe ich abereits nicht, da die meisten (nicht alle, dass gebe ich zu) doch sehr nett sind und sich in die Gesellschaft integrieren.
    Liebe grüße Shuting :)

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  6. Hey!
    Ich war 15 Jahre alt und muss gestehen, dass mich das nicht so sehr berührt und interessiert hat. Natürlich hat man in dem Alter schon etwas davon mitbekommen und die Kellys haben damals einen Song zum Kosovo-Krieg veröffentlicht, durch den das Thema etwas präsenter wurde. Alles in allem muss ich aber gestehen, dass ich mich für den Krieg nicht wirklich interessiert habe.
    LG
    Yvonne

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  7. Hallo,

    klar, ich habe damals den Krieg mitbekommen. In Urlaubsgebieten lagen Leute am Strand, daneben flogen die Kampfflugzeuge. Es wurden Massengräber gefunden, Massaker und Verbrechen gegen die Menschlichkeit wurden nach und nach bekannt. Srebrenica und diese Hinrichtungen erschütterten mich schon damals.

    Zur aktuellen Flüchtlingssituation - dadurch hat sich mein gesamtes Leben geändert. Ich habe dadurch gute Freunde gefunden, meine Tochter und ich haben beide syrische Freunde, ich lebe mit meinem Freund seit einigen Monaten zusammen. Trotz Altersunterschieds, trotz unterschiedlicher Glaubensrichtungen. Aber wir fühlen uns seelenverwandt, und ich fühle mich geborgen und umsorgt. Probleme hatte ich mit Flüchtlingen noch nie - weder mit Leuten aus Syrien, noch mit Irakern, oder Personen aus Pakistan, Afrika oder Afghanistan. Im Gegenteil - ich lernte die Flüchtlinge als hilfsbereite Menschen kennen, die zur Stelle sind, wenn man Hilfe benötigt. Im Gegenzug helfe ich gerne bei alltäglichen Dingen wie Behördengängen, Schriftverkehr, Wohnungssuche. Ich liebe dieses Leben - hier lebt nicht jeder für sich, sondern man unterstützt sich und verbringt die Zeit miteinander. Geld steht nicht an erster Stelle, sondern Freundschaft, Familie und Zusammenhalt.

    LG,
    Heidi, die Cappuccino-Mama

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  8. Hallo,

    den Bosnienkrieg habe ich gar nicht mitbekommen... die Flüchtlingswelle ist mir dafür sehr präsent und ich finde es schrecklich, wie manche Personen diese Menschen so ablehnen können, da meiner Meinung nach jeder hilfsbedürftige Mensch das Recht auf Hilfe hat...

    LG

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  9. Hallo,

    den Bosnienkrieg habe ich gar nicht mitbekommen. Die derzeitige Flüchtlingswelle ist schon eher präsent für mich und ich finde es schlimm das es so viele rassistische Meinungen zu dem Thema gibt.

    LG
    SaBine

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  10. Hallo Giulia,

    ich finde, du hast das Thema super aufgearbeitet! Danke hierfür!
    Damals war ich selbst noch sehr klein, kann mich aber grob an die Berichterstattung erinnern. Überall wurde vom Krieg gesprochen - und das war so unfassbar nah! Noch ein Jahr zuvor war ich mit meinen Eltern in Jugoslawien im Urlaub und konnte mir nicht vorstellen - ich war damals noch in der Grundschule -, wie es möglich ist, dass da plötzlich Krieg herrscht. Es war sehr beklemmend und ich weiß noch, wie oft ich mit meiner besten Freundin Nachrichten geschaut habe und wir uns darüber unterhalten haben, dass wir beide Angst vor einem 3. Weltkrieg haben. Natürlich kann man die Dimensionen noch nicht so wirklich greifen, wie man es im etwas höheren Alter kann, aber erschreckend war es schon.
    Wobei ich damals wie heute schon der Meinung bin, dass man den Menschen helfen muss und die meisten von ihnen froh sind, in Sicherheit leben zu können.

    Schöne Grüße,
    Agnes

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  11. Huhu,
    hab grad noch ne Gänsehaut. Schrecklich :(
    Den Krieg Gabe ich damals nicht war genommen, da war ich noch zu jung.
    Die aktuelle Situation nehme bzw. verfolge ich nicht direkt. Dafür bin ich einfach zu sensibel. Mir geht Do etwas sehr nahe . Deswegen sehe ich auch schon lange keine Nachrichten mehr. Ich will due Augen nicht vor dem verschließen was passiert, aber mir gehen die Ereignisse einfach zu nahe.
    Liebe Grüße
    Tanja

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