Dienstag, 8. Dezember 2015

Rezension: Der erste Tag vom rest meines Lebens von Lorenzo Marone


ISBN: 978-3-86612-396-0
288 Seiten
16,99 EUR 


Inhalt:

In dem Buch geht es um Cesare Annunziata, der ein alter, verschrobener Rentner ist und laut seiner Aussage, vieles in seinem Leben bereut. Vor allem mit dem Umgang mit seinen Kindern ist er höchst unzufrieden. Beide Kinder scheinen unglücklich zu sein. Cesare wirkt wie ein hater Kerl, sehr verschlagen, hat aber tief (sehr tief) in seinem Innern einen weiches Herz. Damit seine Kinder nicht denselben Fehler machen wie er, versucht er sie zu belehren, dabei beißt er allerdings eher auf Granit. Dann jedoch erscheint seine neue Nachbarin Emma, diese wird geschlagen von ihrem Mann. Cesare will ihr helfen aus diesem Leben auszutreten, etwas, das Cesare mit seinem eigenen Leben nie geschafft hat....
Meinung:

Das Cover ist sehr hübsch, dieses und der Titel lassen vermuten, dass es sich um die Geschichte eines alten Herren handelt. 
Gleich am Anfang bekommt man ein Gefühl für den Protagonisten, er ist ein alter, knurriger Knochen. Kein schlechter Mensch, doch auch kein Optimist. Er hält lange hinterm Berg, was genau ihn eigentlich stört, was mich persönlich ja schon etwas erheitert hat. Die Art und Weise wie der Autor den Charakter von Cesare herüber bringt ist selbstironisch, witzig und unterhaltsam, manchmal aber auch ziemlich hart. Diese genannte Atmosphäre zieht sich durch das gesamte Buch. Obwohl ich kein Fan von alten grimmigen Herren bin, wirkt Cesare sympathisch, gerade durch seine harte aber ehrliche Art, die nichts verschönert, wirkt er authentisch. Vom Gefühl und Charakter des Protagonisten erinnert Cesare mich an den Protagonisten von "Gran Torino", der es ja schließlich auch faustdick hinter den Ohren hat. Warum genau er Emma helfen möchte, erfährt man nur Häppchenweise, die Frau scheint einfach sein Herz zu erweichen. Die Parellele bildet eigentlich die offensichtliche Problematik mit seinen Kindern.  Er kann seinen Kindern nicht helfen, aber Emma kann er helfen. Das ist schon traurig, wenn man seinem eigenen Fleisch und Blut nicht helfen kann.
Die charakterliche Entwicklung stagniert phasenweise, die Handlung an sich ist auch recht kurz, doch Cesare ist einfach ein guter, ehrlicher Mensch, dem ich selbst auch gern mal begegnen möchte. Besser ein alter Stoffel mit einem weichen Kern, als jemand, der einem falsch ins Gesicht lächelt und nur Böses im Sinn hat. Cesares verstorbene Frau Caterina wird anfangs als Drache dargestellt, doch mit seiner charakterlichen Entwicklung und Reife, versteht er sie immer mehr und mehr und zollt ihr somit mehr Respekt, was ein sehr schöner, positiver Ausklang ist. Für die Frau leider etwas zu spät. Das Ende ist berührend und gut gelungen, allein für das Ende, würde ich das Buch noch einmal lesen.
Zusammengefasst hat mir das Buch Spaß gemacht zu lesen, es war witzig, tiefsinnig und berührend. Leider war die Handlung etwas knapp gehalten, sodass es am Handlungsstrang teilweise etwas langweilig war.

Ich gebe dem Buch daher 4 Punkte.


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