Sonntag, 15. November 2015

Rezension: Die Sonnenposition von Marion Poschmann


ISBN: 978-3-518-42401-8
337 Seiten
19,95 EUR


Inhalt:

Altfried betreut in einer Anstalt auf einem Schloss seine Patienten psychologisch. Er ist die Sonnenposition seiner Patienten, die Konstante, der Trost. Doch eines Tages stirbt Altfrieds Freund Odilo, und seitdem ist alles anders, Odilo geistert in seinen Gedanken herum und plötzlich muss Altfried sein ganzes Leben noch einmal aufwühlen. Tagsüber ist er für die Patienten da, nachts muss er selbst Dinge verarbeiten.


Meinung:

Zunächst ist das Cover wunderschön mit den zwei Händen, die man primär nicht entdeckt und den vielen Blumen.
Ich habe mich für dieses Buch entschieden, weil ich einfach mal etwas anderes lesen wollte, etwas tiefsinniges, was mich nachdenklich stimmt. Und gleich am Anfang hatte ich das Gefühl, auch genau das zu bekommen, was ich erwartet habe. Der Anfang ist wortgewandt und stimmungsvoll. Sogleich hat mich das Buch um einige Zitate bereichert. 
Der einmalig außergewöhnliche Sprachstil der Autorin hat mich in den Bann gezogen. Ich war fasziniert von dieser Eloquenz und Wortgewalt, die in mir eine tiefsinnige Nähe zu dem Protagonisten ausgelöst haben. In dem Buch geht es nicht darum eine Geschichte zu erzählen und diese ist möglichst spannend, nein, die Autorin erzählt die Geschichte so als würde sie ein barockes Kunstwerk malen. es sind nicht nur Worte, die eine Geschichte vorantreiben, sondern eine Kunst, die mich tief berührt hat. Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie fasziniert ich von der Konstellation der Sätze war..von der Wortwahl...dem Tempo. Ich habe mich gefühlt, wie ein Passant, der fasziniert einen Künstler beobachtet. So ein Buch habe ich noch nie gelesen, in dem die Poesie nicht nur lesbar und bemerkbar war, sondern auch spürbar. Nicht nur hochpoetisch ist dieses Werk, sondern es regt dazu an sich Gedanken zu machen über die menschliche Psyche und über sich selbst. Teilweise waren Wahrheiten und Gedankengüter dabei, über die ich nicht nachgedacht habe. Man spricht hier von einer Bereicherung.
Der Protagonist ist zwar nicht der glänzende Held der Geschichte, er ist mir jedoch sehr sympathisch gewesen. besonders seine Studentenzeit hat mich an meine erinnert, zwar nicht alles, aber vieles.
Das Buch hat somit all meine Erwartungen übertroffen. Es hat mich tiefer berührt, als ich gedacht habe und mich sehr beeindruckt ob des wunderschönen Schreibstils. 
Einen negativen Punkt habe ich anzumerken: die Handlung ist eher stockend und teilweise hat man das Gefühl, sie sei gar nicht vorhanden, aber das ist bei diesem Werk vollkommen egal, denn das Hauptaugenmerk lag bei mir eher bei dem Genuss der Worte. 
In den verschiedenen Kapiteln werden Dinge in eine gewisse logische Reihenfolge gebracht, also Einteilung der Patienten oder die Phasen des Lebens anhand von Tapeten etc. Dies fand ich einerseits sehr klug gewählt, da man ohne groß eine Geschichte drum herum zu bauen, einfach die Dinge erzählen kann, die man möchte. Dafür geht natürlich eine flüssige Handlung verloren, da diese Dinge nun mal aufgezählt werden hat man als Leser einen informativen Input, dafür ist es schwierig eine Handlung zu zu ordnen. 

Ein wunderschönes, poetisches Werk. Tiefsinnig und ein Kunstwerk. Mehr kann ich dazu nicht sagen.




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