Mittwoch, 11. November 2015

Rezension: Die Sehnsucht des Vorlesers von Jean - Paul Didierlaurent


ISBN: 978-3-423-26078-7
224 Seiten
14,90 EUR


Inhalt:

Guylain Vignolles ist ein Buchliebhaber, dementsprechend hasst er seinen Job, welcher der Altpapier Wiederverwendung dient, alles Mögliche an Geschriebenem wird dabei zerstört. Um diesen Seiten die letzte Ehre zu erweisen, klaubt er sich ein paar Seiten und liest diese jeden Morgen im Zug den anderen Fahrgästen vor. Ein wilder Mix aus Literatur entsteht dabei und die Reaktionen sind verschieden, manche lieben sogar den sanften Spinner, der jeden Morgen wirre Zeug vorliest. Eines Tages entdeckt er einen USB Stick, darin befinden sich Textdateien von einer Frau, die genauso zu denken scheint, wie Guylain. Es beginnt eine magische Suche.


Meinung:

Der Titel und das wunderschöne Cover waren für mich der Kaufgrund dieses Buches, die Geschichte an sich klingt zwar nicht so spannend, lässt allerdings auf Tiefsinn hoffen. Das Buch beginnt auch sehr stimmungsvoll mit einem Hauch von Melancholie. Die Sprache ist bildlich, sodass die Geschichte in meinem Kopf sehr präsent war. Der Autor personifiziert sehr gern und gibt dem ganzen mehr Leben, wobei ich dadurch den Eindruck hatte, dass die Handlung stagniert. Besser wurde es mit dem Fund des USB Sticks. Guylain ist sehr tiefgründig, doch die geheime Unbekannte hat Tiefsinn und Witz, sie ist mir sofort sympathisch, währenddessen ich die Geschichte um Guylains ehemaligen Arbeitskollegen Giuseppe sehr skurril finde. Noch dazu finde ich es etwas merkwürdig, dass Guylain jahrelang einen Job macht, den er abgrundtief hasst. Ich meine, schon von seinem Grundsatz her passt seine Arbeit überhaupt nicht zu ihm, da kann ich nicht nachvollziehen, warum er überhaupt bei diesem Job bleibt.
Durch die personifizierten Gegenstände und Handlungen und die teilweise skurrilen Charaktere (ein dichtender Pförtner etc) wirkt das Buch zu artifiziell und nicht authentisch auf mich, etwas mehr Handlung wäre auch wünschenswert gewesen. Das Tempo und die Grundstimmung sind dagegen genau das, was ich erwartet habe und passen ideal zu der Thematik und meinem ersten Eindruck.
Der Schluss ist süß und herzerwärmend.

Da ich hohe Anforderungen an das Buch hatte durch die viele Werbung und das, was mir Titel und Cover vermittelt haben, wurden meine Erwartungen eher mäßig erfüllt, die Tiefgründigkeit ist vorhanden, ich hätte mir mehr Handlung und authentischere Charaktere gewünscht. Die Personifizierung war ein nettes Mittel, das ich schon lange dafür aber gerne, gelesen habe.

Ich gebe daher für "Die Sehnsucht des Vorlesers" 3 Punkte.


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